Wer wir sind
Ihr Rikscha-Team in Konstanz
Das Team unseres Vereins in Konstanz besteht aus engagierten und herzlichen Menschen, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, Seniorinnen und Senioren unvergessliche Erlebnisse zu schenken. Unsere Mitglieder kommen aus unterschiedlichen Lebensbereichen, bringen aber alle die gemeinsame Leidenschaft mit, anderen Freude zu bereiten. Mit viel Geduld, Einfühlungsvermögen und einem Lächeln auf den Lippen steuern wir die Rikschas durch die schönsten Ecken von Konstanz. Dabei stehen für uns nicht nur die Bewegung und die frische Luft im Vordergrund, sondern auch die zwischenmenschlichen Begegnungen, die jede Fahrt zu einem besonderen Moment machen.
Einige Ehrenamtliche unseres Vereins stellen wir hier in Portaits vor:

Peter K. Bergmann
Unser Pilot aus Bayern
Peter K. Bergmann ist 69 Jahre alt. „Und ich würde auch gerne gefahren werden, wenn ich mal alt bin-also, so richtig alt.“ Aber das ist nicht der Hauptgrund, warum er sich dem Konstanzer Verein „Radeln ohne Alter Konstanz e.V.“ als Pilot zur Verfügung gestellt hat. „Ich fahre schon lange Rennrad.“ In seiner bayrischen Heimat tat er das nicht: „Zu hügelig!“ Aber ab 1986, als er in die Chérisy zog, dann schon: „Hier in Konstanz ist`s ja schön flach.“
Doch mit dem Dingelsdorfer Radfahrverein, er wohnte später in Oberdorf, ging es dann doch über Pässe und auf Wochenfahrten bis nach Tabor. „Und irgendwann hab ich gesagt: jetzt reicht`s mit der Quälerei!“ Und dann las er einen Artikel über Rikschas und dachte, das wäre doch auch etwas für Konstanz.
Und für all die Radkollegen, die nun auch, älter geworden, es vielleicht etwas gemütlicher angehen lassen wollen.
Und für ihn natürlich auch.
Und als er davon hörte, dass ein Rikschaverein in Konstanz gegründet werden solle, war er sofort als Gründungsmitglied dabei.
Inzwischen fährt er regelmäßig Senior:innen vom Haus Zoffingen. Die auf den Fahrten viel zu erzählen haben: Wo sie aufgewachsen oder zur Schule gegangen sind. „Und auch ich kann ihnen viel über die Stadt berichten.“ Bergmann war als Bautechniker und Archäologe im Einsatz, arbeitete mit, wie der Schlachthof in die Bibliothek der Fachhochschule umgebaut wurde, weiß auch viel über das Palmenhaus. So gehen auf seinen Fahrten die Geschichten hin und her. „Ehrlich gesagt: Für mich der tollste Effekt: Ich tue mir jetzt viel leichter, Ältere anzusprechen- echt wahr!“ Er fährt mit der Rikscha vor, lädt die Senior:innen ein, fragt, wo`s hingehen soll („Sollen wir heute nach Rom, München oder Paris fahren?“), der erste Lacher folgt prompt, der Rest ergibt sich von selbst. „Und letztens wieder die Rückmeldung von jemand vorne drin: Das hätte ich heute früh nicht gedacht, dass es so schön wird…!“
Eine Hochzeit ist er auch schon gefahren. Prompt platzte unterwegs, nach einer schönen Stadtrundfahrt, beim Bordsteinhochfahren ein Reifen. Dem Fahrer war`s peinlich, das Brautpaar nahm`s mit Humor und ging den Rest der Strecke zu Fuß. „Gott sei Dank konnten die ja noch laufen!“ Sollte das mal mit Älteren passieren: „Kein Problem, dann rufen wir halt ein Taxi oder einen Fahrdienst!“ Eine Lösung gibt es immer. Peter schob mit dem Brautpaar die Rikscha auch gleich in den nächsten Fahrradladen, die den geplatzten Reifen schnell austauschten.
Und wenn Peter K. Bergmann anderen sagen sollte, warum es sich lohnt, bei Radeln ohne Alter mitzumachen, dann sagt er lapidar: „Es macht alle glücklich, wir lachen, winken- und alle winken zurück. Und es tut allen Beteiligten einfach nur gut!“

Susan Stojic
Unsere Pilotin mit Herz
Susan Stojic wohnt in Konstanz, ist gelernte Einzelhandelskauffrau, hat aber vor zwei Jahren eine Ausbildung zur Seniorenassistentin absolviert, „um mit alten Leuten Zeit zu verbringen.“ Kaffee trinken, sie zum Arzt begleiten, solche Sachen: „Nichts Pflegerisches.“ Ihre Idee war, sich damit selbstständig zu machen. Was sie auch noch vorhat.
Und da sie seit Jahren alles mit dem Fahrrad macht und auch kein Auto besitzt, war ihre Frage schon da: „Wie bin ich dann mobil, um die alten Menschen von A nach B zu bringen?“ Und als sie einen Artikel über Rikschas las, dachte sie: „Wenn ich das Projekt angehe, dann will ich unbedingt auch so eine haben!“
Im Frühjahr 2024 stößt sie auf den Artikel im Südkurier über die Anfänge von „Radeln ohne Alter“ in Konstanz. Da war ihr klar: „Das ist doch genau meine Sache!“ Und drum ist sie von der ersten Stunde an dabei. Hier kann sein nun das machen, was sich schon so lange vorgestellt hat, „ohne mir selbst eine Rikscha kaufen zu müssen.“
Susans Eltern sind seit sechs Jahren im Heim, die Mutter war am Ende ihres Lebens stark dement. „Aber wenn wir sie schlafend mit dem Rollstuhl nach draußen fuhren und sie aufwachte, lächelte sie immer.“ Und auch ihr Vater, den sie nun mit dem Rollstuhl an die frische Luft bringt, breitet oft die Arme aus und ruft: „Oh, wie ist das schön!“ Für Susan ist es dieses „Draußen-Spüren“, was Senior:innen glücklich und zufrieden macht. Zwei Stunden im Freien, „und der Tag ist gerettet.“ Dagegen der Alltag in vielen Heimen trist: Zwischen den Mahlzeiten keine Beschäftigung, Herumsitzen und warten- worauf?
„Man kann doch mit so wenig Menschen glücklich machen!“. Sagt sie. Und such einen selbst, so die 57-Jährige, mache kaum etwas anderes so zufrieden wie Zeit mit Älteren zu verbringen: „Das mit der Rikscha ist Glück für uns alle!“

Anna Brenner
Unsere neue Pilotin
Anna Brenner ist mit ihren dreißig Jahren (Stand 2024) schon viel rumgekommen. Vor allem beruflich. Aufgewachsen am Rand des Pfälzer Waldes („Ich bin seither waldverbunden!“) hat sie ihre Friseurinnenlehre in Berlin absolviert, ein Gesellenjahr in Stockholm verbracht, um dann wieder in Berlin und letztlich in Konstanz ihren Meister zu machen. „Manche Türen öffnen sich einfach!“, sagt sie: In Stockholm wollte sie nur acht Wochen für ein Praktikum bleiben, man bot ihr einen Job an, es wurde dieses Jahr daraus, in Konstanz wollte sie nur drei Monate bis zu ihrer Prüfung wohnen, auch hier gab es Angebote, jetzt sind Jahre daraus geworden. (“Jetzt bin ich auch noch wasserverbunden!“.)
Inzwischen studiert sie Life Science, „weil ich mich noch mal fördern und fordern wollte.“
Neues ausprobieren, wenn es sich anbietet. So wie diese Rikscha, die da bei einer Hochzeit beim Neuwerk Ende Juli (2024), sie arbeitete dort im Service, herumstand. „Ich habe da zum ersten Mal eine echte Rikscha gesehen!“ Nachts um zwei nach Arbeitsschluss „hat das Gefährt mein Interesse geweckt.“ Und Michael Buchmüller, der damit das Brautpaar, seine Tochter und ihren Mann, gefahren hatte, lud sie gleich zu einer kleinen Rundfahrt ein. „Und nach wenigen Umdrehungen hatte ich schon das Gefühl von Wind und Freiheit!“ Und als Michael dann noch vom Projekt erzählte und dass sie Fahrer:innen suchen würden, da war Anna sofort bereit.
„Mir hat das in dem Moment schon so viel gegeben, dass ich das unbedingt weitergeben wollte.“
So wurde sie eine Pilotin von “Radeln ohne Alter”. Die, die hinten drauf sitzt. Die da ist und sich ins Gespräch der vorne Sitzenden einbringt. Oder sich raushält, wenn die beiden vor ihr zwanglos ins Gespräch kommen.
Und manchmal hält sie an, steigt ab, plaudert. Wie vor kurzem am Seerhein. Man schaut hinüber auf die Baustelle des Assisi-Panoramas. Eine Dame, vorne, meint: „Das erlebe ich nicht mehr, dass die fertig wird…“ Anna erwidert optimistisch: „Ach doch, die ziehen das schnell in die Höhe.“ Worauf die Seniorin versonnen anfügt: „Na, vielleicht schaffe ich es ja dann doch noch auf die Dachterrasse da oben…“
Ein kurzer Ausflug, auch gedanklich, in die eigene Vergänglichkeit…
Anna hat die Erfahrung gemacht, dass die, die gefahren werden, immer ganz gelöst zurückkommen.“ Ich seh das an den Gesichtern: Anfangs noch etwas angespannt, am Ende überhaupt nicht mehr.“ Und für sie selbst ist es immer „eine schöne kurze Pause vom Alltag.“ Zeit um runterzukommen, zu entschleunigen, den Fokus auf das Hier und Jetzt zu lenken.
Und sie mag es, wenn sie Einblicke in das Leben derer erhält, die mit ihr fahren und sich öffnen.
Und überhaupt: „Wir fahren los, und schon ein paar Meter weiter sind die Senior:innen begeistert vom Unterwegssein.“ Eine habe öfter während der Fahrt immer wieder laut „Hallo, hier kommen die Rikschafahrer!“ ausgerufen.
Es brauche ja so wenig, um viel zu erreichen. „Das ist überhaupt kein großer zeitlicher Aufwand für mich.“ Aber der Eindruck, den so eine Fahrt hinterlasse, sei immens.
Auf einer Tour halten sie am Palmenhaus. Leider abgeschlossen. Eine Frau kommt zufällig vorbei, hat den Schlüssel mit, öffnet ihnen. Die beiden Fahrgäste freuen sich. „Da waren wir noch nie drin!“ Und eine andere Dame erklärt Anna auf einer Fahrt durch das Altparadies, dass „da hinten früher immer die Schweizer hingingen.“ Weil da nämlich ein „Puff“ gestanden habe. Ah, so! Man lernt doch immer wieder neue Ecken in der Stadt kennen!
Also, meint Anna abschließend, es lohne sich bei „Radeln ohne Alter“ mitzumachen.
Denn es brauche ja wirklich nicht viel.
Und vor allem: „Wir sind doch eine Gesellschaft!“

Reinhard Müller
Unser „Rikscha-Opa“
Reinhard Müller sieht man seine fünfundsiebzig Jahre nicht an. Seine neun Enkel nennen ihn den „Rikscha-Opa“. In Litzelstetten vor seinem Haus steht die Rikscha für den Bodanrück. Da kutschiert er auch die Jüngsten gerne mal ne Runde. „Immer ein Highlight für sie!“
Aufgewachsen im Kinzigtal, Drittältester von zwölf Geschwistern. „Bei uns lagen die Neugeborenen auf dem Küchentisch!“ Statt im Fußballverein zu kicken schiebt er in seiner Jugend Kinderwagen. „Aber da habe ich Menschenfreundlichkeit und Empathie gelernt.“
Reinhard hat immer ein Lächeln im Gesicht. Für ihn passt der Ausdruck: Er ist die Freundlichkeit in Person!
Zwanzig Jahre arbeitete er in Konstanz als Radio-und Fernsehtechnik-Meister im Kundendienst. Er wollte, sich verändern, schaute sich um und landete im Seniorenheim Wellingtonia in Kreuzlingen. Dort baute er eine geschützte Werkstatt auf. Einfach Tätigkeiten für Senior:innen, die ihrem Alltag Struktur gaben: Montagearbeiten, löten, Stecker anschrauben, Verpackungen, Briefings. Irgendwann rutschte er über die Betreuung auch in Pflegetätigkeiten: Vom Aufstehen bis zum Frühstück begleiten und tun, was gewünscht wird. Seit dem Renteneintritt ist er in der Aktivierung: Spielen, Tanzen, spazieren gehen, Tagesausflüge durchführen.
Er fährt auch mit den Bewohnern in ihre Ferien, meist eine Woche, das letzte Mal ging`s ins Tessin.
Immer noch angestellt mit einer 20-Prozent-Stelle. Denn im Heim wird ihm große Wertschätzung entgegengebracht.
Als er von „Radeln ohne Alter“ im Ortsblättle von Litzelstetten las, erkannte er sofort, welche Chance ihm das bieten würde. Er wurde Mitglied im Verein und nimmt jetzt immer Donnerstag nachmittags eine Rikscha mit über die Grenze. „Die Bewohner bei uns stehen Schlange, um mitfahren zu dürfen.“ Reinhard bringt sie raus, in die Natur, an den See, in die Stadt, dreht seine Runden. „Ich brauche auch den Himmel über mir.“ Und als aktiver Mensch, der nicht rumsitzen könne, komme ihm das Radeln entgegen. „Und mit Menschen zusammen sein, wenn ich helfen kann- das liegt mir.“ Sich Sorgen und Nöte derer anhören, die zu ihm kommen, oft ohne Angehörige. Sich derer wirklich annehmen, auf sie eingehen mit offenem Herzen. Seine Chefin sagt über ihn, er sei ein „Türöffner“. Da ist der zurückgezogene Professor, den er dazu bringt, mit ihm Schach zu spielen, Da ist der Betagte, der mit seiner lauten Stimme die Gemeinschaft unterhält, um gehört zu werden. „Den nehme ich dann mit auf die Rikscha.“
Herauszufinden, wie weit er gehen kann, ohne abgewiesen zu werden, wenn er hartnäckig freundlich bleibt, das ist selbst nach so vielen Jahren in der Aktivierung immer noch ein Anreiz für ihn. Man hat eh den Eindruck: Das wird ihm alles nie zu viel. Im Gegenteil.
Und so pflegt er und spricht mit den Bewohner.innen. Er spielt und singt mit ihnen, leitet Sitztänze an. Ist fröhlich und genießt die schönen Momente des Zusammenseins.
Und er fährt Rikscha.
Und das alles wie lange noch?
„Bis ich umfalle.“

Christine Auer
Unsere Pilotin, die anpackt
In Konstanz geboren, erst in Petershausen, dann im Berchengebiet aufgewachsen und heute wieder in Petershausen wohnend – das ist Christine Auer, Jahrgang 1962. „Ich bin eine von den vielen Baby-Boomern“, sagt sie. Was bedeutete, dass sie nach ihrem Studium an der pädagogischen Hochschule in Freiburg erstmal zehn Jahre auf eine Lehrerstelle warten musste. Die sie überbrückte, indem sie zum Beispiel in den Schmieder-Kliniken in der Werktherapie arbeitete. „Da hatte ich das erste Mal mit Menschen Kontakt, die meine Hilfe wirklich brauchten.“ Und ihr ging auf, dass es nicht selbstverständlich ist, einfach alles machen zu können. Wenn man mit Unfall- oder Schlaganfall-Patienten zu tun hat, manche erst Ende zwanzig und schon fürs Leben gezeichnet.
„Aber ich wollte ja trotzdem noch mit Kindern arbeiten.“ Also wechselte sie in ein Heim in Steckborn, wo sie es mit verhaltensauffälligen Kindern zu tun bekam. Und da der Fahrradweg von Konstanz zum Arbeitsplatz so schön war, entdeckte sie ihre „Fahrradleidenschaft“ und radelte täglich. Was sie auch beibehielt, als sie endlich eine „deutsche Stelle“ antreten konnte. Die Hannah-Arendt-Schule in Iznang wurde gegründet, dort begannen sie zu viert (ohne Direktor). „Eine tolle Zeit, wir konnten so viel selbst auf den Weg bringen.“ Und Christine fuhr mit dem Rad hin und zurück, eine Stunde zwanzig Minuten der einfache Weg. „Da bekam ich immer den Kopf frei.“
Auf der Höri fand sie so ihre Bestimmung: Begegnungen ermöglichen, Beziehungen und Vertrauen aufbauen, über Menschen mehr erfahren als nur sie zu unterrichten, „das wurde mein Leben.“ Über weitere Stationen, wie der Gebhardschule in Konstanz, kehrte sie letztlich auch wieder dorthin zurück, wo sie bis zu ihrer Pensionierung im August 2024 blieb. „Ich habe immer sehr viel gearbeitet, aber es hat mir immer auch unglaublich viel Freude bereitet!“ So dass sie „ohne darüber nachzudenken“ in den Ruhestand eintauchte. „Das habe ich auf mich zukommen lassen.“
Im ersten Jahr ihrer neuen Freiheit unternahm sie viele Radreisen, bis sie im Oktober 2025 in der Zeitung von der Einweihung der Rikscha Charlotte in der Chérisy las und sofort dachte: „Das könnte etwas für mich sein! Da melde ich mich!“
Damals hatte sie bereits über die Wintermonate begonnen, sonntags für die Obdachlosen bei der AGJ am Lutherplatz zu kochen, für ein zweites Ehrenamt über die wärmeren Monate war da noch genug Platz. Denn Christine ist eine, die gerne anpackt.
Und seitdem fährt Christine regelmäßig als Pilotin, ist inzwischen Quartierslotsin für Fürstenberg und Wollmatingen, steht auch mal vor den Kirchen im Quartier oder bei Alten-Nachmittagen mit der Rikscha und macht, wo sie kann, Werbung für „Radeln ohne Alter Konstanz e.V.“ Auf dass noch mehr in den Genuss von Rikschafahrten kommen. Denn dass diese Ausflüge ein Genuss sind, erfährt sie auch immer wieder selbst: Da ist die Familie aus dem Stuttgarter Raum, die eine Fahrt für die (Ur-)Großmutter anfragt. Sie mit ihrem Mann, er inzwischen verstorben, hätten dreißig Jahre auf der Reichenau gecampt und nun wollte sie zu den alten Orten noch einmal zurückkehren. Die Frau inzwischen mit Rollator mühsam unterwegs. Die Familie schenkt ihr diese Rikschafahrt und kommt mit. Drei Kinder, acht Enkel, zwei Urenkel. Sie liehen sich vor Ort Fahrräder aus, „und die Oma mittendrin.“ Und da man langsam unterwegs war, konnte immer jemand anders neben der Oma fahren, während sie von früher erzählte, was sie mit dem Opa hier Schönes erlebt habe. „Und ich,“ so Christine Auer,“ habe nebenbei noch ganz viel Neues auf der Reichenau kennengelernt.“ Ein unvergesslicher Nachmittag für alle Beteiligten.
Oder das Ehepaar, das 1972 vom See weg nach Oberbayern zog und noch einmal zurückkommen wollte. „Wir sind am Seerhein entlang geradelt und die beiden kamen aus dem Staunen gar nicht mehr heraus.“ Was sich alles verändert hatte: Die Herose-Wohnanlagen, Stromeyersdorf- so vieles kaum wieder zu erkennen. Nur das Münster, in dem sie geheiratet hatten, stand noch da wie früher.
Es sind diese Erlebnisse, die Christine das Rikschafahren so wertvoll machen. Das Glück, die Dankbarkeit, dass man etwas geben kann und so viel zurückbekommt, „und im Verein habe ich auch schon so viele nette Menschen kennengelernt.“
Was in ihr die Hoffnung weckt, möglichst lange für den Verein aktiv sein zu können. Für all die Menschen, die nicht mehr, so wie sie, selbstständig radeln können. Mit dem Wunsch verbunden, „noch möglichst viele von denen zu erreichen, die alleine zu Hause sitzen und nicht mehr ohne Hilfe vor die Türe kommen.“
Und so ist Christine Auer unterwegs. In orange und in den Konstanzer Quartieren, in denen sie schon so lange lebt.
In der Stadt, die ihr noch vertrauter geworden ist, seit sie diese mit der Rikscha „er- fährt“.

Bernd Brösecke
Unser Häuslebauer
Bernd Brösecke war sein ganzes Berufsleben lang Architekt. Er entwarf Familienhäuser, Schulen, Industriegebäude oder baute zum Beispiel in kleineren Ortschaften Rathäuser um, „wo wir meist in den großen ungenutzten Dachboden den Ratssaal einplanten.“ Oft in sorgsam restauriertem altem Gebälk. Zum Studium kam er aus der Nähe von Köln nach Konstanz und blieb: „Weil ich hier meine Frau kennenlernte und weil es mir hier am See gefiel.“
Bernd ist Jahrgang 1962, im Jahr 2025 kam der (etwas vorgezogene) Ruhestand, „und das war gut so!“ Das mit dem Arbeiten reichte. Aber das mit dem Tun, mit dem Sich-Für-Etwas-Engagieren noch nicht. Seine Frau war da schon seit vierzehn Jahren ehrenamtlich im Hospizverein tätig. „Das hat mich inspiriert, mir auch ein Ehrenamt zu suchen“, gesteht Bernd, der seit vielen Jahren in Egg wohnt, in einem von vier Häusern, die er damals selbst nach seinen Plänen bauen ließ.
Irgendwann ist ihm dann ein Flyer von „Radeln ohne Alter“ in die Hände geraten, und er dachte: „Das könnte passen, weil ich ja auch gerne Rad fahre.“ Bernd geht die „Sache“ ganz pragmatisch an: In diesem Verein könnte er neue Leute in einem ähnlichen Lebensabschnitt treffen, er käme regelmäßig raus, mit Leuten an die frische Luft- „das passte doch gut zusammen!“ Und würde auch seinen Wochenplan gut ergänzen, den er sich für die Zeit nach dem Berufsleben „aufgebaut“ hatte: Zweimal in der Woche Schwimmen, noch etwas Sport dazu, einmal zum Yoga, da war für Rikschafahren noch Platz. Was er nun regelmäßig, meist einmal pro Woche dem Haus Jungernhalde in Allmannsdorf, anbietet. Dazu kommen Extrafahrten zu Geburtstagen oder anderen Anlässen, zu denen er angefragt wird. „Einmal, „ so erinnert er sich, „sind wir zu dem Singkreis der Caritas im Tannenhof mit der Rikscha hingefahren.“ Die Rikscha hätte millimetergenau durch die Türe gepasst, in den Raum hinein, wo etwa vierzig Senioren und ihm ein Song-Buch in die Hand gedrückt und dann mit einer Band zusammen gesungen wurde.
Auch würden auf den Fahrten viele der Älteren gerne Geschichten von früher erzählen. An der Seestraße an einer Villa erinnert sich ein Herr, dass er hier einen Industriellen als Chauffeur „in seinem dicken Mercedes“ herumkutschiert hätte. Eine Frau möchte ins Tägermoos, wo sie dreißig Jahre gelebt hat, und wieder ein anderer erzählt an der Holzkirche in Petershausen, dass dort zur Nazizeit die Hitlerjugend aufmarschiert sei. Eindrücke, die hängenbleiben… Und wenn er in Egg an dem Haus vorbeifährt, wo er einmal, es sei schon ein Jahr her, eine Frau mit ihrer alten Mutter gefahren habe, dann fragt er sich, wie es denen wohl heute gehe, ob sie noch da leben, wie sie wohl zurechtkommen. „Denn die Tochter hat sich danach nie mehr gemeldet …“
Solche Eindrücke bleiben offen. Anderes lässt sich nicht realisieren: Wenn jemand anfragt, ob er sich eine Rikscha für seine Angehörige ausleihen könne, dann antwortet Bernd: „Das geht leider nicht!“ Fahren dürfen nur Vereinsmitglieder mit absolviertem Fahrtraining. Und wenn ein Heimbewohner von Allmannsdorf eine Runde über Dettingen nach Wallhausen wünscht, dann muss Bernd auch das ablehnen: „Zu weit und zu bergig für die holländische Rikscha!“
Ansonsten aber erfüllt er die Wünsche, die sich verwirklichen lassen. „Eine Dame möchte in Staad immer zum Hafen gefahren werden, um dort ein Fischbrötchen zu essen. Das mache ich natürlich gerne möglich.“
Bernd ist inzwischen Quartierslotse für Allmannsdorf/Staad, bildet Pilot:innen aus und hat auch, dank der Mit-Pilotin Angelika Pitzer, die schwierige Standortsuche für ihre Rikscha „Alma“ erfolgreich zu Ende bringen können. Eine private Garage wurde endlich gefunden!
Bernd würde von Staad aus auch gerne mal eine Tour mit der Fähre nach Meersburg unternehmen. Überhaupt machen ihm die Ausfahrten zu besonderen Ereignissen viel Freude, weil sie die wöchentliche Routine auflockern. „Und wenn ich mal zum Eisessen eingeladen werde, nehme ich das natürlich gerne an.“ Auch wenn die Fahrten generell umsonst und kostenlos angeboten werden.
Dass noch mehr mobilitätseingeschränkte Menschen außerhalb der Pflegeheime das Angebot von „Radeln ohne Alter“ als besonderes Erlebnis nutzen könnten, das wünscht er sich für die Zukunft. „Denn es gibt ganz sicher gerade in Allmannsdorf und Staad viele alte Leute, die nicht mehr gut laufen können.“
Im Berufsleben hat er Häuser gebaut, im Ruhestand hilft er nun Menschen, aus diesen Häusern auch mal wieder herauszukommen. Denn dass es Zuhause am schönsten ist, gilt halt auch nur dann, wenn man dieses Zuhause ab und zu auch noch verlassen kann ….

